Geldverwendung/-verschwendung der Notenbanken

Eine der wichtigsten Aufgaben der EZB (gemeinsam mit nationalen Notenbanken) ist es, die Liquidität im Euro-Bankensystem im Rahmen der gültigen Regeln bereitzustellen. Die Deutsche Bundesbank berichtet in ihrem Monatsbericht vom März, dass ihre Forderungen an ausländische Banken im Euro-Raum inzwischen auf 325 Mrd. EUR (d. h. die Hälfte ihrer Bilanzsumme) gestiegen sind. Da diese Forderungen vor der Finanzkrise bei Null lagen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um Forderungen an Defizitländer (via EZB) handelt. Die Bundesbank schreibt, dass diese Erhöhung „unmittelbar keine Veränderung in Ihrer Risikolage bedeutet“ (Fachausdruck: Target-2 Forderungen).

Ein Jungbanker weiß nach seinem Ausbildungsjahr, dass jede Forderung auf der Aktivseite einer Bankbilanz Risiko darstellt. Wenn die Counterparty nicht zahlt, dann ist diese Forderung wertlos. Dann kann die Bank ihre Sicherheiten verwerten.

Als Sicherheiten hat die Bundesbank Staatsschuldtitel jener Länder, denen sie das Geld schickt, weil deren Bankensysteme kein Geld mehr haben. Sollte die Bundesbank 25% dieser Forderungen wertberichtigen müssen, dann würde ihre G+V eine Wertberichtigung von 80,250 Mio. EUR verkraften müssen.

Am Beispiel von Griechenland (das inoffiziellen Angaben zur Folge mindestens 80 Mrd. EUR von den insgesamt 325 Mrd. EUR beansprucht) kann man in einfacher Sprache darstellen, was die Bundesbank mit diesen Geldern finanziert: sie schickt Geld nach Griechenland, damit Griechenland Produkte importieren kann, statt sie selbst herzustellen; damit die Griechen ihr eigenes Geld „ins Trockene“ bringen können (beispielsweise in die Schweiz oder nach Zypern) und damit die privaten ausländischen Investoren ihr Risiko reduzieren können. Dass mit diesen Geldern auch das griechische Haushaltsdefizit finanziert wird, ist im Größenvergleich mit den anderen Verwendungen nicht überwältigend.

Aus der „gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ hatte Griechenland zuletzt einen monatlichen Abgang an Liquidität im Bankensystem von 2 Mrd. EUR (24 Mrd. EUR p.a.!). Das ist das Ergebnis aus Export- und Fremdenverkehrserlösen abzüglich der Importaufwendungen (*). Dazu müsste man noch die Zinsenzahlungen ins Ausland (ca. 12 Mrd. EUR p.a.; (**)), die Kapitalflucht (geschätzte 20-30 Mrd. EUR in 2010; (***)) und das Haushaltsdefizit(19 Mrd. EUR für 2011; (****)) zählen. Und last but not least haben ausländische Banken wegen des „Griechenlandrisikos“ ihre Korrespondenzbanklinien gestrichen (*****). Dieses „Loch“ muss irgendwie gefüllt werden und es kann nicht mit gesteigerten Spareinlagen gefüllt werden, weil die griechische Sparquote negativ ist.

Wer hat dieses Loch gefüllt? Der Verbund von EZB und nationalen Notenbanken hat das getan! Wer hat davon profitiert? Die oben Genannten! Und wer wird darunter leiden? Letztendlich die Steuerzahler. Und die Bundesbank hat dies ganz „still und heimlich“ gemacht!!!

Niemand hat die Bundesbank gezwungen, dies zu tun. Hätte sie es nicht getan, wäre es zur ganz normalen Abfolge in solchen Situationen gekommen: Erklärung eines Bankholiday’s. Danach Einfrieren aller Spareinlagen mit nur Minimalabhebungen für den persönlichen Bedarf (******).

Und dann hätte man sich so verhalten, wie ein Konzern, der 430 Mrd. EUR Schulden hat (Gesamtauslandsschulden von Griechenland Mitte 2010; Quelle: Bank of Greece) und diese Schulden nicht mehr bedienen kann: Einladung zu einer Gläubigersitzung mit dem Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Diese Lösung könnte sein: 50% dieser Schulden werden mit einem 20-Jahresbond bezahlt; 25% mit einem 10-Jahresbond und 25% mit einem 5-Jahresbond. Zinsenthesaurierung für die ersten 5 Jahre und natürlich auch Fresh Money im Vorzugsrang!

Die nationalen Notenbanken hätten dann dafür gesorgt, dass es einen aktiven Sekundärmarkt für diese Bonds gibt mit „Marktpreisen“. Dann hätte jeder Investor für sich selbst und eigenverantwortlich bestimmen müssen, was er für eine adäquate Wertberichtigung auf diese Bonds hält. Das Steuerzahlergeld, das man bisher nach Griechenland überwiesen hat, hätte man verwendet für die Rettung und/oder Abwicklung jener Banken, die diese Wertberichtigung nicht verkraften könnten. Natürlich könnte man das heute auch noch machen, aber die obengenannten 325 Mrd. EUR sind heute „sinnlos verschossenes Pulver“: entweder versickert im Haushaltsdefizit oder gelandet auf Konten im Ausland.

Man spricht heutzutage von einem „Schuldenerlass“ bzw. von einem „Haircut“, als wäre das eine alltägliche Sache. Es hat in der Geschichte nur wenige unilaterale Erlässe von Staatsschulden gegeben und das waren ausschließlich Länder der 3. Welt. Der Gedanke, den Defizitländern zu sagen (beispielsweise): „wir erlassen Euch 40% Eurer Schulden; einfach so!“, das ist ein abenteuerlicher Gedanke, der einem verantwortungsvollen Banker nie kommen sollte, geschweige denn, ihn öffentlich auszusprechen.

Summa summarum kann der Bürger durchaus entsetzt darüber sein, was sich in den letzten 2 Jahren bei EZB im Konzert mit den nationalen Notenbanken abgespielt hat!

(*) Monatlicher Durchschnitt Zeitraum Dezember 2010 – Februar 2011 (Quelle: Bank of Greece)
(**) Zeitraum Dezember 2010 – Februar 2011 x 4 (Quelle: Bank of Greece)
(***) keine offiziellen Daten verfügbar; die Bank of Greece meldete, dass nur in den Monaten Januar/Februar 2010 rund 10 Mrd. EUR von griechischen Bankkonten ins Ausland überwiesen werden. Für den Zeitraum Januar/Mai 2010 wurde dieser Betrag mit 18 Mrd. EUR angegeben.
(****) 1. Quartal 2011 x 4
(*****) Quelle: Monatsbericht der Bundesbank
(******) man stelle sich vor: ein vermögender Grieche überweist von seinem griechischen Bankkonto 10 Mio. EUR in die Schweiz. Dies hat zur Folge, dass die EZB/Notenbanken der griechischen Bank diese Liquidität bereitstellen müssen!
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4 Responses to Geldverwendung/-verschwendung der Notenbanken

  1. Anonymous says:

    Einige fachliche Fehler lieber Herr und eine ganze Menge neoliberaler Dünnschiss!

  2. kleingut says:

    Und was ist neoliberal? Nachstehende Erläuterung gefällt mir sehr gut!http://www.ortneronline.at/?page_id=163

  3. Anonymous says:

    "Es hat in der Geschichte nur wenige unilaterale Erlässe von Staatsschulden gegeben und das waren ausschließlich Länder der 3. Welt". ??? Beleg?

  4. kleingut says:

    Das Buch "This time it's different" wird Ihnen weiterhelfen.http://www.amazon.de/This-Time-Different-Centuries-Financial/dp/0691142165Man muss unterscheiden zwischen a.o.-Schuldenerlässen und normalen. Erstere finden häufiger statt und zwar in Situationen von 1-mal Desastern und/oder Zerstörungen (vor diesem Hintergrund war Deutschland der größte Nutzniesser von Schuldenerlässen im 20. Jhdt.; nach WWI und vor allem nach WWII). Dass man einem Land nach nur 3 Krisenjahren ohne irgendwelche Einmalzerstörungen gleich Staatsschulden erlässt, hat es meines Wissens noch nie gegeben, schon gar nicht bei einem Land der Ersten Welt. Wenn Staatsschulden jenseits der Tragfähigkeit sind, dann werden sie zuerst einmal in die Zukunft verlagert mittels sehr langfrister Bonds (meinetwegen auch mit Zinsenkapitalisierung). Hat die gleiche ökonomische Wirkung wie ein Schuldenerlaß, de jure bleibt die Forderung jedoch aufrecht. Erlassen kann man die Schulden nach 20-30 Jahren immer noch. Eine Volkwirtschaft kann sich aber sehr rasch "drehen", vor allem wenn man mit totaler Mißwirtschaft anfängt. Russland war 1998 pleite und hat heute einer der höchsten Devisenbestände der Welt. Hier sind einige Links, die Ihnen vielleicht helfen.http://klauskastner.blogspot.com/2011/10/greeks-dont-accept-haircut.htmlhttp://klauskastner.blogspot.com/2011/10/why-not-haircut-for-greece.html

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