Prof. Sinn über Griechenland (Handelsblatt-Interview vom 24.09.2011)

“Im Falle Griechenlands ist im Grunde Hopfen und Malz verloren. Seit über drei Jahren wird deren Leistungsbilanzdefizit vollständig von der Zentralbank finanziert. Das Beste wäre, die nächste Tranche an Gemeinschaftskrediten nicht auszuzahlen. Dann wird Griechenland zur Abwendung des Konkurses aus dem Euro austreten und seine Staatsschulden in Drachmen umwandeln. Austritt, Abwertung und automatischer Schuldenschnitt durch Abwertung sind heute die einzigen Möglichkeiten, das Land wieder auf die Beine zu stellen. Je mehr Geld aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) fließt, desto länger bleiben die Außenhandelsdefizite erhalten. Die Südländer müssen sich gesundschrumpfen, also relativ zu anderen Ländern billiger oder ärmer werden oder beides, denn anders können sie ihren Importüberhang nicht wegbringen. Die Politik redet immer davon, dass man aus den Problemen herauswachsen könne. Das macht mich als Volkswirt nervös. Wenn man über seine Verhältnisse lebt, kann man sich nur gesundschrumpfen”.

Richtig!  Es ist aber leider nur eine Bestandsaufnahme und keine Vision.

Eine Rückkehr zur Drachme würde die inländischen Finanzvermögen der Griechen über Nacht um 30-40% entwerten (oder sogar mehr). Wenn jetzt schon alleine aufgrund der Sparmassnahmen soziale Unruhen ausbrechen, dann wäre damit zu rechnen, dass nach einem Euro-Austritt der soziale Friede zusammenbricht. Es kann der EU nicht gleichgültig sein, dass in einem EU-Mitliedsland möglicherweise die Demokratie zusammenbricht.

Griechenland sollte deswegen den Euro behalten, aber eine Situation simulieren, als wäre es zur Drachme zurückgekehrt (Importsteuern, Kapitalkontrollen, Freihandelszonen). Die größte Priorität der griechischen Wirtschaft muss es sein, das Leistungsbilanzdefizit in den Griff zu bekommen. Das bedeutet: weniger Importe, mehr Inlandswertschöpfung, mehr Export via Freihandelszonen und Kapitalkontrollen.

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